TIEFERER
EINBLICK


... in die AUGEN-OBERFLÄCHE

und die

Entstehung des TROCKENEN AUGES


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Die AUGEN-OBERFLÄCHE

Die Augenoberfläche muss ständig feucht sein, um gesund zu bleiben und perfekte Sehschärfe zu erzielen

Was IST die Augenoberfläche ?

=> Das feuchte Schleimhautgewebe an der Vorderseite des Auges !

 

Die AUGENOBERFLÄCHE ist das feuchte Schleimhautgewebe an der Vorderseite des Augesapfels.

Ausser der sichtbaren Hornhaut/ Kornea und Bindehaut/ Konjunktiva, die in den Tränen gebadet werden, besteht die Augenoberfläche aus Organen, die unter der Haut versteckt liegen: aus der anhängenden Tränendrüse für die Produktion von neuen Tränen und aus den ebenfalls anhängenden Ableitenden Tränenwegen für den Abtransport der ´gebrauchten´ Tränen in die Nase.

Die BINDEHAUT ist ein Hilfsorgan für die Hornhaut/Kornea, das entscheidend zur Gesunderhaltung der Hornhaut beiträgt.

Sie bedeckt die Vorderseite des Augapfels und die Rückseite der Augenlider. Die Bindehaut verbindet daher die Oberflächen von Augapfel und Augenlid zum Konjunktivalsack.

Der Konjunktivalsack ist nur im Bereich der geöffneten Lidspalte zur Aussenwelt offen. Dort wird das Gewebe durch einen Film von Tränen bedeckt - den Tränenfilm, der die empfindlichen Zelloberflächen auch geöffnetem Auge feucht hält.

(In der Zeichnung ist die Tiefe des Konjunktivalsackes und die Dicke des Tränenfilms übertrieben gross dargestellt, damit man sie sehen kann - tatsächlich liegen die Lider praktisch direkt auf dem Augapfel, der Bindehaut-Sack bildet nur einen feuchten Spaltraum, und der Tränenfilm ist äusserst dünn)

 

Warum muss die Augenoberfläche FEUCHT  sein ?

=> Um ihre Gesundheit und Intaktheit zu erhalten für die Transparenz der Hornhaut !

 

Nur eine FEUCHTE Hornhaut ist TRANSPARENT

Die FEUCHTIGKEIT der Augenoberfläche ist nötig, um die Hornhaut/ Kornea TRANSPARENT zu halten

Die Augenoberfläche ist ein feuchtes Schleimhautgewebe um die Hornhaut/ Kornea transparent zu erhalten.

Die Augenoberfläche muss dauerhaft feucht gehalten werden – immer und überall – um intakt und gesund zu bleiben und sie wird daher ständig in der Tränenflüssigkeit gebadet.

 

 


Das Medium für die Feuchtigkeit sind die TRÄNEN.

Der kontinuierliche Verlauf der Tränen über die Augenoberfläche, der für ihre Gesundheit von grösster Wichtigkeit ist, geht (in der Abbildung von links nach rechts): (1) vom Hauptproduktionsort in der Tränendrüse über (2) die sichtbare Hornhaut/ Kornea und Bindehaut/ Konjunktiva, die ständig gebadet werden müssen, in (3) die Ableitenden Tränenwege, die die ´gebrauchten´ Tränen in die Nase ableiten.

Die Tränenflüssigkeit wird von den Drüsen der Augenoberfläche gebildet und ´nach Gebrauch´ - also nach dem Baden der Hornhaut und Bindehaut - von den Ableitenden Tränenwegen in die Nase abtransportiert.

Die kontinuierliche Neuproduktion von Tränen und ihr Verlauf über die Augenoberfläche, ist daher für ihre Gesundheit und für die Klarheit der Hornhaut - also für intaktes SEHEN - von grösster Bedeutung. 

Ebenso ist auch der geregelte Abtransport der ´gebrauchten´ Tränen wichtig, das auf der Augenoberfläche nur Platz für sehr wenig Tränenflüssigkeit ist.

... tatsächlich ist es so, dass nicht einmal ein einziger zusätzlicher Tropfen Flüssigkeit, z.B. von Augentropfen, Platz auf der Augenoberfläche hat und oft die meiste Flüssigkeit davon gleich wieder über den Lidrand abläuft

Im Gegensatz zu einem wirklich `Trockenen´ Auge,  kann es bei einer vorübergehenden verstärkten Tränenproduktion durch Augenreizung bei einem "wässrigen Trockenen Auge" und bei einem gestörten Abtransport der ´gebrauchten´ Tränen zu einem Überlaufen der Tränen über den Lidrand mit ´Tränenträufeln´ kommen - medizinisch wird dies als Epiphora bezeichnet.

... wir können daher sehen, dass sich die Verhältnisse an der Augenoberfläche nicht wesentlich von unseren Erfahrungen in anderen Bereichen des täglichen Lebens unterscheiden - sowohl ´zu viel´ wie auch ´zu wenig´ können störend sein ;-)


Was ist der Tränen-FILM ... und was ist seine Funktion ?

=> Eine mehrschichtige Flüssigkeitslage in der Lidspalte auf dem Auge

- Er sichert bei geöffneten Lidern FEUCHTIGKEIT und SEHSCHÄRFE !

Der TRÄNENFILM (links) besteht aus 3 Schichten, deren Bestandteile von 3 verschiedenen Arten von Augen-DRÜSEN (rechts) produziert werden.

Konstante Feuchtigkeit der Hornhaut/ Kornea und der Bindehaut/ Konjunktiva im Bereich der geöffneten Lidspalte werden durch eine dünne Schicht von Tränen ermöglicht - den Tränen-FILM.

Dieser ist dünn und gleichmässig genug,  um die Sehschärfe nicht zu stören und gleichzeitig ausreichend stabil, um eine Austrocknung des Gewebes durch Verdunstung des Tränenwassers an der Luftatmosphäre zu verhindern.

Der Tränen-FILM hat drei Schichten, die aus den Produkten der verschiedenen Drüsen der Augenoberfläche bestehen. Schleim (Muzin) aus einzelnen Becherzellen in der Bindehaut macht die Gewebeoberfläche erst benetzbar für das Wasser der Hauptmenge der Tränen aus der Tränendrüse. Öl, von den Meibomdrüsen im Augenlid, bildet die Oberfläche des Tränenfilms - es vermindert die Verdunstung des Wassers und verbessert die Stabilität des Tränenfilms.

Ein BLICK IN DEN TRÄNENFILM. Der mittlere Hauptteil des Tränenfilms vor der transparenten Hornhaut/ Kornea besteht aus wässriger Flüssigkeit. Unten sind die zahlreichen fingerartigen Fortsätze der oberflächlichen Epithelzellen sichtbar - sie binden das Wasser an die Zell-Oberfläche. Im Tränenfilm wird das Wasser durch die langen Zuckerketten (hier rötlich) löslicher Schleimstoffe (Muzine) gebunden, die im Tränenfilm treiben und das Wasser in ein dünnflüssiges Wasser-Muzin-Gel verwandeln. Oben wird der Tränenfilm von der sehr dünnen Öl-Schicht aus den Fetten der Meibomdrüsen abgedeckt, die eine zu schnelle Verdunstung des Tränenwassers verhindert.


Welche Rolle spielen die Augenlider ?

=> Die Augenlider verteilen die Tränen zum wichtigen Tränen-FILM in der geöffneten Lidspalte auf der Augenoberfläche !

 

Diese schematische Animation des LIDSCHLAGES illustriert die prinzipielle Funktion der Augenlider zur Verteilung der Tränen in einen dünnen Film im Bereich der Lidspalte um das Gewebe der Augenoberfläche dort auch bei geöffnetem Auge feucht zu halten. Eigentliche Tränentropfen treten im Bereich der Lidspalte allerdings nur bei verstärktem Tränenfluss auf.

Die Wischbewegung des Oberlides beim LIDSCHLAG verteilt die Tränen in den dünnen und gleichmässigen Tränen-FILMer dient der Feuchthaltung des Gewebes in der geöffneten Lidspalte und ist gleichzeitig die wichtigste Oberfläche zur korrekten Brechung des eintretenden Lichts für eine perfekte Sehschärfe.

Notwendige Voraussetzungen für einen stabilen Tränen-FILM und damit für eine gesunde Augenoberfläche und eine perfekte Sehschärfe sind eine nach Menge und Qualität ausreichende PRODUKTION der Tränenflüssigkeit durch die Drüsen und die FORMATION eines ausreichend stabilen Tränen-FILMS durch die intakte Funktion der Augen-Lider …

... entsprechend kann eine Schädigung der Drüsenfunktion und/oder eine Schädigung der Lidfunktion zu einem "Trockenen" Auge führen - wenn dies chronisch besteht kann es in die Krankheit des "Trockenen Auges" übergehen.


WARUM ist die Augenoberfläche so WICHTIG ?

=> Die gesunde Augenoberfläche ist eine Voraussetzung für das SEHEN !

Die gesunde Augenoberfläche erlaubt ein klares Fenster für das Auge, um das Licht aus der Umwelt zu sehen.

Ohne eine gesunde Augenoberfläche werden alle späteren Schritte des Sehprozesses bedeutungslos.


Tieferer EINBLICK in ...  Das TROCKENE AUGE

Das TROCKENE AUGE ist eine Störung der dauerhaften Befeuchtung der Augenoberfläche mit einer Störung der Sehschärfe und nachfolgender Schädigung des Gewebes. Dies führt dann zu den Beschwerden des Patienten und zu den klinischen Befunden der Oberflächenschädigung

Was ist das TROCKENE AUGE ?

=>  Das Trockene Auge ist ein MANGEL der ständigen Befeuchtung durch den Tränen-FILM - meist mit nachfolgender Gewebe-SCHÄDIGUNG

 

Interessanterweise ist die Bildung der Ölschicht des Tränenfilms von grösserer Bedeutung als die Bildung von Tränenwasser, da bei Öl-Mangel auch reichliches Tränenwasser schnell verdunstet. Es entstehen dann Lücken im Tränenfilm und die empfindlichen Zellen der Augenoberfläche werden geschädigt.

Die Krankheit ´TROCKENES AUGE´ wird medizinisch auch bezeichnet als "Keratokonjunktivitis Sicca" (KCS), also "Trockenheits Entzündung von Hornhaut und Bindehaut" oder auch kürzer als Sicca-Syndrom (Trockenheitssyndrom).  Umgangssprachlich sind auch einfach die Bezeichnungen ´Trockenes´ Auge, ´Trockene Augen´, ´Brennende Augen´, ´Schwere Lider´ oder ´Müde Augen´ ... sowie viele andere Begriffe verbreitet, die in der einen oder anderen Weise eine Reizung der Augenoberfläche andeuten.

Das TROCKENE AUGE ist eine komplexe Regulationsstörung der Funktionellen Anatomie der Augenoberfläche, die die dauerhafte Feuchtigkeit des Gewebes und damit seine Gesundheit und eine perfekte Sehschärfe reduziert. Dies geht typischerweise einher mit subjektiven SYMPTOMEN von verschiedenen Graden von Reizung und Schmerzen der Augenoberfläche sowie klinischen BEFUNDEN von Tränenmangel und entsprechender Gewebezerstörung sowie Störungen der Sehschärfe, meist im Sinne einer schwankenden Sehschärfe oder des ´Verschwommen-Sehens´.


Was sind die URSACHEN des TROCKENEN AUGES ?

=> Die typischen Ursachen des Trockenen Auges sind ein Mangel Tränen-Produktion/ Sekretion durch die Drüsen und/ oder ein Mangel der Ausbreitung des Tränen-FILM durch eine Störung des Lidschlages

Der Krankheitsmechanismus des Trockenen Auges ist eigentlich recht einfach: Grundlegende kausale Faktoren für die Erkrankung sind

  1. ein Mangel der Drüsen-SEKRETION/ PRODUKTION von Tränen (mit einer ungenügenden Menge und/oder ungenügenden Qualität der Tränenflüssigkeit - sowie

  2. eine ungenügende BILDUNG/ Formation/ Ausbreitung des Tränen-FILM aus der vorhandenen Tränenflüssigkeit durch verschiedene Störungen der Augenlider und des Lidschlages (zusammenfassend bezeichnet als Lid- und Blinzel- Dysfunktion - LBD).

Die Störungen der Drüsen und der Lidfunktion führen dann zur STÖRUNG des Tränen-FILMs auf dem Auge und damit zu ´Lücken´ in der ständigen Befeuchtung ... mit nachfolgenden Gewebeschäden der empfindlichen Zelloberfläche des Auges.

Von den möglichen Drüsenstörungen ist, nach aktuellen wissenschaftlichen Studien, nicht die Störung des Tränenwassers sondern vor allem die Störung der Öl-Schicht auf de Tränenfilm besonders wichtig.

Da bei einem Öl-Mangel auch ausreichendes Tränenwasser sehr schnell verdunstet (siehe nebenstehende Animation), ist der Öl-Mangel bei einer Störung der Öl-bildenden Meibomdrüsen für vier von fünf Patienten mit Trockenem Auge die primäre Ursache der Erkrankung.

 Die beiden grundlegenden Voraussetzungen für die Gesundheit der Augenoberfläche und für das intakte Sehen sind die Bildung von Tränenflüssigkeit und die Herstellung eines stabilen Tränenfilms daraus. Entsprechend sind die  beiden wichtigsten Faktoren für die Entstehung eines Trockenen Auges  ein  Mangel an Tränenflüssigkeit  und/ oder ein  Problem bei der Herstellung eines ausreichend stabilen Films  daraus.

Die beiden grundlegenden Voraussetzungen für die Gesundheit der Augenoberfläche und für das intakte Sehen sind die Bildung von Tränenflüssigkeit und die Herstellung eines stabilen Tränenfilms daraus. Entsprechend sind die beiden wichtigsten Faktoren für die Entstehung eines Trockenen Auges ein Mangel an Tränenflüssigkeit und/ oder ein Problem bei der Herstellung eines ausreichend stabilen Films daraus.


SymptomE des Trockenen Auges

Was sind typische SYMPTOME des TROCKENEN AUGES ?

 

Typische subjektive SYMPTOME sind verschiedene Grade von Augen-Trockenheit, Verschwommen-Sehen, Augen-Reizung und Schmerzen !

Die grundlegenden kausalen Faktoren von ungenügender Tränen-PRODUKTION und/oder ungenügender AUSBREITUNG eines (ausreichend stabi len) Tränen-FILMS  ...

... führen zu  den grundlegenden Pathologien des Trockenen Auges, nämlich der Instabilität des Tränenfilms und der nachfolgender Austrocknung und Schädigung des Gewebes.

Diese beiden Pathologien erklärt die typischen SYMPTOME des Trockenen Auges:

  • Trockenheitsgefühl

    • anfänglich kann auch gelegentlich ein vermehrter Tränenfluss vorkommen und ´wässrige Augen´ abwechselnd mit Augen-Trockenheit

    • ... dies wird ausgelöst durch eine reflektorische Reizung und Aktivierung der Tränenproduktion

  • Reizung verschiedenen Grades bis zum Schmerz

    • Sandkorngefühl, Fremdkörpergefühl, Brennen oder Stechen

    • auch dumpfes Druckgefühl um das Auge herum und sogar hinter dem Auge sind möglich

    • dies erklärt auch die häufige Beschreibung des Trockenen Auges als:

  • ´Schwere´ Augenlider oder ´Müde´ Augen

    • describe the immediate sensation soreness and

  • Schwankende Sehschärfe/ Verschwommen-Sehen

    • gelegentliches Verschwommen-Sehen, das durch vermehrtes und verstärktes Blinzeln besser wird

  • zunehmende Probleme beim Kontaktlinsentragen

    • da Kontaktlinsen erhöhte Anforderungen an den Tränenfilm stellen und auch die Verdunstung der wässrigen Tränen erhöhen kommt es zu zunehmender Unverträglichkeit von Kontaktlinsen, vor allem von Weichen Hydrogel Kontaktlinsen

  • Augenrötung

    • ist meist nicht sehr ausgeprägt bei mildem bis moderatem Trockenen Auge


Klinische BEFUNDE

Typische klinische Befunde des Trockenen Auges sind eine verminderte Tränenmenge, eine geringe Stabilität des Tränenfilms, und damit eine unzureichende Benetzung des Gewebes die zur Schädigung der Gewebeoberfläche führt !

Was sind typische klinische Befunde  des Trockenen Auges ?

 

 


Ein mäßiges DRY EYE zeigt typischerweise nur eine leichte Rötung der Bindehaut- und Lidränder, die auf eine entzündliche Erkrankung hinweisen kann, wie sie unter dem Begriff "Keratoconjunctivitis sicca" beschrieben wird. Die Öffnungen der Meibomschen Talgdrüsen werden oft durch sichtbares oder unsichtbares verdicktes Sekret (welches die häufigste Hauptursache der Trockenen Augenkrankheit darstellt) blockiert. Das Tränenvolumen ist aufgrund erhöhter Verdunstung gering und das Gewebe der Augenoberfläche weist viele kleine Defekte auf, die als kleine Flecken auftreten in der Vitalfärbung mit einer grünen Färbung (Fluoreszein) bei blauem Licht.

Ungenügende Tränenflüssigkeit und INstabiler Tränen-FILM auf dem Auge, der oft ausgelöst wird durch Ölmangel bei Verstopfung der Meibomdrüsen (MDD),  führen zu den klinischen BEFUNDEN des Trockenen Auges:

  • Aufbruch (Tränenfilm-AufbruchsZeit, TAZ)

    • wird typischerweise untersucht durch Anfärbung des sonst weitgehend unsichtbaren Tränenfilms mit einem blau-grünen Farbstoff (Fluoreszein)

    • die animierte schematische Zeichnung, illustriert einen stark gestörten Tränenfilm, der hier nur für etwa eine einzige Sekunde stabil bleibt ehe er aufbricht. Der Normalwert sollte bei mindestens 10 Sekunden liegen bis der Tränenfilm aufbricht und damit einen neuen Lidschlag auslöst, der dann einen neuen intakten Tränenfilm ausbreitet.

    • zu Beginn der Erkrankung des Trockenen Auges kann es auch zu gelegentlichen Episoden eines verstärkten Tränenflusses mit wässrigem Auge kommen, das mit Augentrockenheit abwechselt

  • REDUZIERTES TRÄNEN-VOLUMEN

  • auf der Augenoberfläche

    • (meist) durch erhöhte Verdunstung des Tränenwassers - als ´Evaporatives Trockenes Auge´ bezeichnet... oder

    • (wesentlich seltener) durch eine verminderte Menge der (wässrigen) Tränensekretion von der Tränendrüse

      • bezeichnet als ´primärer wässriger Tränenmangel´

  • Verschwinden von Meibomdrüsen Gewebe

    • (im Engl. bezeichnet als ´Gland Drop-Out´) bei der optischen Betrachtung (Meibographie) der sonst nicht sichtbaren Meibomdrüsen, die versteckt im Augenlid liegen.

  • Veränderungen am Lidrand wie:

    • Schaum und Ablagerungen auf dem Lidrand durch veränderte Fette der Meibomdrüsen

    • verstärkte Rötung und verstärkte Füllung der Blutgefässe

    • verstopfte Meibomdrüsen-Öffnungen mit Vorwölbung oder Austreten von verhärteten Fetten der Meibomdrüsen

    • Abrundung und Unregelmässigkeiten der hinteren Lidkante

  • Schädigung des Epithels

  • Das Epithel bildet die äussere Gewebeschicht der Augenoberfläche und besteht aus einem sehr empfindlichen Zellverband. Zer-Störungen der Epithelschicht sind nachweisbar durch Anfärbung mit Vitalfarbstoffen - die also beim Patienten auf die ´lebende´ Augenoberfläche gegeben werden können. Epithel-Veränderung treten auf:

    • an der Hornhaut/ Kornea und an der Bindehaut/ Konjunktiva

    • an der hinteren Lidkante des Lidrandes - als Lid Wiper Epitheliopathie (LWE)

  • Erhöhte Mengen von Entzündungs-Mediatoren

  • werden typischerweise gebildet durch die Gewebezerstörung beim Trockenen Auge und sie treten auf in den Tränen und im Gewebe. Dies sind verschiedene Faktoren, z.B.

    • entzündliche Zytokin- und Chemokin-Signalstoffe

    • nachfolgende Aktivierung von Gewebe zersetzenden Enzymen

  • Lidkanten-Parallele Conjunctivale Falten (LIPCOF)

  • kommen vor entlang des Lidrandes

    • sie sind das Zeichen einer fortgeschrittenen Zerstörung des Gewebes durch die Aktivierung von Gewebe zerstörenden Enzymen, meist Matrix-Metalloproteinase (vor allem MMP9). Durch die Gewebezerstörung wird die Bindehaut zunehmend lockerer und und ´schlägt dann Falten´ schon durch die geringen Kräfte beim Wischen des normalen Lidschlages über die Oberfläche des Augapfels beim Blinzeln.


IRRITATION - SCHMERZ - SCHMERZ Syndrome

Warum stimmen beim Trockenen Auge die SYMPTOME oft nicht mit den klinischen BEFUNDEN überein ?

=> ... das ist noch nicht ganz geklärt und ist Gegenstand aktueller Forschung !

Es ist typisch für das Trockene Auge, dass die Schwere der subjektiven Symptome des Patienten nicht immer mit den klinisch feststellbaren Befunden übereinstimmt.

Die Neuronale Regulation der Augenoberfläche, über die Hirnnerven V (Trigeminus) und VII (Facialis) im Hirnstamm, und auch ihre Emotionale Wahrnehmung im Gehirn ist komplex. Damit ist sie anfällig für Störungen, kann aber auch gewisse individuelle Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen zeigen. Hier gehen auch Erfahrungen, Bewertungen und verschiedene Arten der Bahnung und Verarbeitung von Ereignissen an der Augenoberfläche ein. Es ist ja auch eine Erfahrung des täglichen Lebens, dass das´Nervenkostüm´ bei jedem Menschen durchaus etwas unterschiedlich sein kann.

Reiz, Irritation  und Wahrnehmung

Die Verarbeitung der Signale von der Augenoberfläche ist komplex und wird von verschiedenen Zentren beeinflusst.

Ausserdem gibt es prinzipiell einen gewissen Unterschied zwischen der reinen ´Wahrnehmung´ eines Reizes von der Augenoberfläche in der Hirnrinde (Kortex) und der Bewertung diese Reizes im ´untergeordneten´ Limbischen System. 

Schmerz

´Schmerz´ ist keine Wahrnehmung im eigentlichen Sinne, sondern eine Konstruktion des Gehirns.

Diese Konstruktion resultiert aus der emotionalen Bewertung einer Wahrnehmung. Die Bewertung erfolgt vor allem im sogenannten limbischen System und durch andere emotionaler Instanzen. In die subjektive Bewertung fliessen zahlreiche weiter Dinge, wie Erfahrungen und Erwartungen etc. ein.

Allerdings sind für den individuellen Menschen die beiden Instanzen von ´Wahrnehmung´ und dem, was als ´Schmerz´ erscheint, nicht immer sauber zu trennen. So ist letztlich ist nicht immer ganz klar, wer von den verschiedenen Instanzen im Gehirn ´Koch oder Kellner´ ist.

Subjektive Bewertung

Daher kann die subjektive Bewertung eines Reizes von der Augenoberfläche durchaus über die objektive Wahrnehmung dominieren. Dies kann von der ´Tagesform´ des einzelnen Menschen abhängen, kann aber auch bei verschiedenen Menschen interindividuell sehr unterschiedlich sein.

Das kann sich so äussern, dass die subjektiven Symptome einen starken Leidensdruck des Patienten bewirken während klinisch wenig oder manchmal keine objektiven Befunde feststellbar sind - hier ist unter Umständen an ein Schmerzsyndrom zu denken.

Andererseits kann aber auch ein Patient mit erheblich ausgeprägten klinischen Befunden, z.B. einer anfärbbaren Oberflächenschädigung, nur wenig oder keine subjektiven Symptome im Sinne einer Reizung oder von Schmerzen haben. Solch ein Patient wird dann vermutlich wenig Neigung zu einer medizinisch vielleicht angezeigten Therapie haben.

Schmerzsyndrom

Psychosomatische Einflüsse auf ein Krankheitsgeschehen und auf die Wahrnehmung durch den Patienten sind seit langen Jahren ein etablierter und ernst zu nehmender Teil der Medizin. Neben , z.B. unspezifischen Rückenschmerzen, funktionellen Herz-Kreislaufbeschwerden oder Verdauungsstörungen kann kann dies, nach vielen Studien, auch beim Trockenen Auge eine Rolle spielen.

Wenn die Beschäftigung mit der Erkrankung der wichtigste Teil des Lebens wird, könnte dies ein Anlass sein, auch die Hilfe der Psychosomatik zu suchen.


WIE entsteht ein Trockenes Auge ?

... und wie wird es CHRONISCH ? ? ?

=> Das Trockene Auge wird stark beeinflusst durch regulatorische Systeme und Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Funktion der Augenoberfläche

Eine Störung positiver Faktoren und das Auftreten von negativen Faktoren (Risikofaktoren) verschlechtern die normale Funktion des Gewebes und erhöhen daher das Risiko für das Auftreten eines Trockenen Auges und für die Schwere der Erkrankung.

Die komplexe Störung der Funktion und Struktur der Augenoberfläche beim Trockenen Auge führt zu einem Mangel der basalen Funktionskomplexe für die ständige Feuchthaltung des Gewebes.

Das Entstehen eines Trockenen Auges wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:

REGULATORISCHE SYSTEME

Störung der Regulation

Störungen des Nervensystems, des Endokrinen Hormonsystems und des Immunsystems verschlechtern die Funktion der Augenoberfläche.

Alter und weibliches Geschlecht (in Verbindung mit relativem Mangel von ´männlichem´ Androgen-Hormon sowie einem Überschuss an ´weiblichem´ Östrogen) nehmen wesentlichen Einfluss auf die Augenoberfläche.

EXTERNE RISIKO FAKTOREN

wirken meist austrocknend

Negative externe Einfluss-Faktoren sind RISIKO-FAKTOREN für die Erkrankung. Sie beein-flussen die TRÄNEN-FLÜSSIGKEIT auf dem Auge und überbeanspruchen die normale Funktions-kapazität - sind aber oft leicht zu beeinflussen. Meist sind es austrocknende Umwelteinflüsse wie Hitze, Trockenheit, Wind - auch konzentrierte Sehaufgaben mit seltenem Lidschlag. In klimati-sierten Büroumgebungen mit Bildschirmarbeit sind diese Risikofaktoren oft kombiniert und können so zum trockenen "Büroauge" (engl."Office Eye") führen.

INTERNE RISIKO FAKTOREN

Störung der Organe

Negative interne Einfluss-Faktoren sind ebenfalls RISIKOFAKTOREN für die Erkrankung.

Sie wirken auf das GEWEBE, das die Tränen produziert und können die normale Funktion der Augenoberfläche verschlechtern.

Es handelt sich dabei z.B. um Alter und Geschlecht, wie auch um chronische Erkrankungen oder chronische Medikamenten-Einnahme, Ernährung und Trinkmenge etc. . Viele dieser inneren Risikofaktoren sind schwer zu beeinflussen.

 

Warum neigt das Trockene Auge zur VERSCHLIMMERUNG ?

 … ohne ausreichende Therapie

=> Tränenmangel mit reduzierter Befeuchtung der Augenoberfläche und nachfolgenden Gewebeschäden beeinflussen sich negativ und verstärken sich gegenseitig selbst !

 

Selbstverstärkende Entzündungsmechanismen

Die komplexen pathologischen Veränderungen beim Trockenen Auge beeinflussen sich gegenseitig und bilden dabei selbstverstärkende Regelkreise die oft auch als Teufelskreise bezeichnet werden.

Dies führt oft zur Verschlimmerung der Erkrankung wenn keine ausreichende Therapie durchgeführt wird.

Entzündung ist ein wichtiger Verstärkungsmechanismus

Entzündung ist ein mächtiger Mechanismus für die Verschlimmerung der Erkrankung des Trockenen Auges.

Entzündung ist ein grundlegender Mechanismus von Zellen zu ihrer Verteidigung. gegen Verwundung und Schädigung. Dies kommt typischerweise auch beim Trockenen Auge vor durch die Instabilität des Tränenfilm und die nachfolgende erhöhte mechanische Reibung. Entzündungsmechanismen verursachen Gewebezerstörungen um den vermeintlichen Schädling zu überwinden und führen später zur Gewebereparatur.

Wenn die Entzündung aber chronisch wird, dann verwandelt sie sich in einen negativen und destruktiven Prozess weil die anfängliche Gewebezerstörung nicht durch eine ausreichende Reparatur abgelöst werden kann.

Bei Erkrankungen wie dem Trockenen Auge kann die andauernde Gewebeschädigung zur Entstehung einer chronischen Entzündung führen. Dieser mächtige Mechanismus kann den Krankheitsprozess erheblich verschlimmern.

In solchen Fällen eines moderaten bis schweren Trockenen Auges ist es oft sinnvoll wenn die Behandlung vorübergehend anti-entzündliche Therapieansätze enthält zusätzlich zu Tränenersatzmitteln und zur physikalischen Lidrandtherapie mit Lidrandhygiene.

Dry Eye Therapy to interrupt the vicious circles in Dry Eye Disease may then include an anti-inflammatory therapy for a limited time in addition to a sufficient Tear Supplementation and Eyelid Therapy .

Für ausführliche Informationen über die Therapie beim Trockenen Auge verweisen wir auf die längere Englischsprachige Version des OSCB Informationsportals.


WANN wird ein "Trockenes" Auge zu der ERKRANKUNG des Trockenen Auges?

Wenn ein ´Trockenes´ Auge chronisch wird - dann kann sich eine gelegentliche, vorübergehende Störung zu einer Chronischen ERKRANKUNG entwickeln !

Ein Gelegentliches Trockenes” Auge IST noch keine Krankheit

 

Die meisten von uns haben vermutlich bereits einmal ein vorübergehendes Gefühl eines ´Trockenen´ Auges gehabt, z.B. wenn wir ungewöhnlich starken austrocknenden Umwelteinflüssen ausgesetzt waren. Dies sind z.B. niedrige Luftfeuchte, hohe Temperatur, Wind, oder seltenes Blinzeln bei konzentrierter Arbeit in klimatisierter Raumluft.

Solch ein ´Trockenes´ Auge ist typischerweise ein nur kurz andauernde Zustand, der sich schnell wieder bessert und verschwindet wenn wir uns dessen bewusst werden und vermehrt Blinzeln oder die austrocknende Umgebung verlassen.

 

WENN “TROCKENHEIT”  CHRONISCH wird ... dann kann sich dieser Zustand in eine ERKRANKUNG verwandeln

Nur wenn das Gefühl der ´Trockenheit´ dauerhaft anhält und nicht gebessert werden kann durch die Vermeidung der austrocknenden Umweltfaktoren und durch vermehrten, bewussten und verstärkten Lidschlag ...

… dann wird der vorübergehende ´Zustand´  chronisch und ein gelegentliches   “Trockenes” Auge kann zur ERKRANKUNG des Trockenen Auges fortschreiten.

Dies ist typischerweise verbunden mit einer Zunahme der DAUER und SCHWERE der Symptome und der klinischen Befunde durch eine zunehmende Störung und Schädigung des Gewebes der Augenoberfläche.  Einige wichtige Risikofaktoren begünstigen das Auftreten und die Schwere des Trockenen Auges.

Viele verschiedene und sich gegenseitig beeinflussende selbst-verstärkende Regelkreise der Krankheits Verschlimmerung (oft als ´Teufelskreise´, engl. ´VICIOUS CIRCLES´, bezeichnet)  kommen beim Chronischen Trockenen Auge vor und können zum klinischen Vollbild einer chronisch-fortschreitenden Gewebezerstörung mit einem Funktionsverlust der Augenoberfläche führen