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Tränenersatzmittel

Zusätzlich zur Vermeidung von austrocknenden Risikofaktoren (Bildschirmarbeit, Zugluft, trockene Raumluft, Kontaktlinsen etc.) und zusätzlich zu einer regelmässigen Physikalischen Lidrand-Therapie (mit Wärmung, Massage und Reinigung der Augenlider), bessert eine Therapie mit Tränenersatzmitteln meist unmittelbar die Trockenheit und Reizung der Augen.


In Wässrigen Tränenersatzmitteln (“Wassertropfen“) ist Wasser gebunden

Wässrige Tränenersatzmittel dienen zum Ersatz von Wassermangel in der Tränenflüssigkeit. Dazu kommt es entweder wenn die Tränendrüse zu wenig wässrige Tränen bildet, was überraschenderweise selten ist, oder wenn das Tränenwasser zu schnell von der Augenoberfläche in die Umgebungsluft verdunstet. Letzteres ist wesentlich häufiger und meist durch Lipidmangel bei Störung der Meibomdrüsen bedingt.

Damit das ´ersetzte´ Wasser länger an der Augenoberfläche bleibt (was als Verweildauer bezeichnet wird), und nicht gleich wieder verdunstet oder einfach über den Lidrand auf die Wangen abläuft. muss es gebunden werden.

Bindungsmittel für Wasser in Augentropfen sind grosse Moleküle, heute oft Hyaluronsäure.

Die Moleküle unterscheiden sich in ihrer Wasserbindungsfähigkeit und Verweildauer auf dem Auge - je schwerer ein Trockenes Auge ist, desto höher sollte die Wasserbindung und Viskosität des Tränenersatzmittels sein. Hochvisköses dickflüssiges Gel wird vor allem bei schwerem Trockenen Auge gegeben und bei moderatem Trockenen Auge zumindest über Nacht, da es die Sicht vorübergehend etwas ´verschleiern´ kann. Zellulose, ein wichtiger Pflanzen Baustoff, und hochmolekulare Alkohole werden schon einige Jahrzehnte in Augentropfen verwendet und zunehmend durch Hyaluronsäure verdrängt, nachdem diese biotechnisch hergestellt werden kann.

Hyaluronsäure ist ein wichtiger natürlicher Baustoff des menschlichen Körpers und bindet Wasser in der extrazellulären Matrix aller wasserhaltigen Gewebe, wie der Haut und Schleimhäute, in Gelenkflüssigkeit, oder im Glaskörper des Auges. Hyaluronsäure hat auch eine wundheilungsfördernden Wirkung,

Kleiner Exkurs in die Chemie wasserbindender Moleküle

Einige wichtige ´Wasser-Bindungsmittel´ sind z.B. hochmolekulare Alkohole (Polyvinylalkohol, PVA), (Polyvinylpyrrolidon/Povidon, PVP ), Polyethylenglycol (PEG), ausserdem Filmbildner (z.B. Carbomer), die sich ähnlich wie die untere Muzinschicht des Tränenfilms verhalten, oder versch. Zellulose-Abkömmlinge (z.B. Hygromellose) und Hyaluronsäure.

Hyaluronsäure hat den Vorteil, dass sie sich wie eine ´Nicht-Newton´sche Lösung verhält. Diese wundersame Eigenschaft ist gerade für die Augenoberfläche sehr wichtig und beruht auf einer Veränderung der langen Molekülketten. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass Hyaluronsäure-Lösungen in Ruhe, also zwischen 2 Lidschlägen eine hohe Viskosität haben, dicklicher sind und damit stabiler die Augenoberfläche schützen. Bei Bewegung, also während des Lidschlages, vermindert sich die Viskosität und die Flüssigkeit wird dünnflüssiger, was die Reibung beim Lidschlag vermindert.

Die Verweildauer auf dem Auge ist ein wichtiger Faktor für die Wirksamkeit eines Tränenersatzmittels. Die Verweildauer steigt mit der Viskosität/ Konsistenz und nimmt mit zunehmender Konzentration des Bindemittels zu. Bei Hyaluronsäure haben dünnflüssige Tropfen typischerweise eine Konzentration 0,1% bis 0,2% Hyaluronsäure - dies ist eine geeignete Therapie für ein leichtes bis moderates Trockenes Auge mit Anwendung meist tagsüber. Dickflüssigere Gelartige Tropfen enthalten etwa 0,3% oder mehr Hyaluronsäure-Anteil und sind für ein schweres Trockenes Auge auch tagsüber zu bevorzugen. Bei einem moderaten Trockene Auge können sie über Nacht angewendet werden. Ausser der Konzentration ist auch die Molekülgrösse/ Kettenlänge der Polymere wichtig für die Verweilzeit, so dass die effektive Verweildauer auf dem Auge und die zu erwartende Schutzwirkung oft schwer zu erkennen sind aus den Produktbeschreibungen. Da auch die Verträglichkeit möglicher Zusatzstoffe in Tränenersatzmitteln individuell unterschiedlich sein kann, ist es oft nützlich verschiedene Tränenersatzmittel auszuprobieren, um ein individuell angenehmes zu finden.


Wässrige Tränenersatzmittel (“Wassertropfen“) sind ein wichtiger Eckpfeiler in der Therapie jeder Form des Trockenen Auges.

  • Beim seltenen primären Tränenmangel durch Störung der Produktion in der Tränendrüse liegt unmittelbar eine verminderte Menge der wässrigen Tränen vor. Dies kann durch einen Schirmer-Tränentest leicht festgestellt werden. Wässrige Tränenersatzmittel können den Wassermangel vorübergehend bessern - allerdings immer nur bis der zugegebene Tropfen wieder von der Augenoberfläche verschwunden ist durch Verdunstung oder Abtransport in die Nase.

  • Weit häufiger ist ein Mangel von Öl auf dem Tränenfilm durch Störung der Meibomdrüsen in den Augenlidern. Ein verdünnte Öl-Schicht auf dem Tränenfilm kann bildlich dargestellt und vermessen werden (Interferometrie). Bei Ölmangel kommt es zu erhöhter Verdunstung mit nachfolgendem sekundären Mangel wässriger Tränen zusätzlich zum ursprünglichen Ölmangel. Bei Ölmangel tritt oft zuerst ein Brennen der Augen auf, durch eine stellenweise erhöhte Osmolarität bei Verdunstung des Tränenwassers. Hier fehlt dann also effektiv sowohl Wasser wie auch Öl. Ein reiner Ersatz von Wasser kann immer nur von kurzem Nutzen sein, da es ohne einen Ersatz von Öl immer wieder schnell verdunstet. Dennoch ist auch ein Ersatz von Wasser nötig zur schnellen Verbesserung der `Schmierung´ zwischen Augenlid und Augapfel und damit zur Verminderung der schädlichen Reibung, die die Augenoberfläche schädigt.

  • Auch für Augen, die wegen eines Reizzustandes verstärkt tränen und dadurch ständiges Tränenträufeln haben, sind wässrige Tränenersatzmittel meist nützlich. Denn die ´Reiztränen´ bestehen überwiegend aus reinem Wasser und haben wenig schützende und reibungs-vermindernde Inhaltsstoffe. Durch die Bindung des Wassers an Hyaluronsäure oder andere Stoffe in Augentropfen haben sie eine bessere ´Schmierwirkung´ und einen längeren Aufenthalt auf dem Auge. Achtung: Bei Tränenträufeln sollte grundsätzlich ein Augenarzt aufgesucht werden, um eine Verstopfung der ableitenden Tränenwege und eine Störung der Lidfunktion durch Formveränderungen der Augenlider auszuschliessen.


Konservierungsmittel & Stabilisierungsstoffe … besser nicht

  • Grundsätzlich sollten alle Tränenersatzmittel, wie auch Augentropfen generell, frei von Konservierungsstoffen sein, da diese die empfindlichen Zellen der Augenoberfläche schädigen können. Einige Menschen können sogar eine ausgesprochene Unverträglichkeit gegen Konservierungsmittel haben und reagieren dann mit starker Rötung des Auges und der Lider. Kleine Einmaldosis (EDO) Behälter oder grössere Sterildispenser-Fläschchen, die einzelne Tropfen steril abgeben ohne Konservierungsmittel, sind daher zu bevorzugen. Aber - Achtung - auch heute noch sind nicht alle Augentropfen, die in kleinen Fläschchen angeboten werden, frei von Konservierungsmitteln.

  • Auch andere Zusatzstoffe in Augentropfen können Probleme bereiten. Phosphat wird gelegentlich Augentropfen zugegeben um den pH Wert einzustellen. Es hat sich gezeigt, das vor allem bei häufiger täglicher Benutzung solcher Augentropfen und bei vorgeschädigter Hornhaut irreversible Kalkablagerungen in der Hornhaut entstehen können. Daher können beim Trockenen Auge Präparate von Vorteil sein, die auch frei von Phosphat sind. Allerdings ist auch die Menge von Phosphat wichtig und es gibt Augentropfen in denen ein anderes Salz (Citrat) in den Tropfen das Phosphat bindet und seine Ablagerung auf dem Auge verhindern kann.


Tränenersatzmitteln für unterschiedliche Funktionen

  • Dünnflüssige Tropfen werden tagsüber gegeben, mindestens alle 2 Stunden oder sogar stündlich.

  • Dickflüsiges Gel wird meist über Nacht gegeben und schützt die Augenoberfläche oft die ganze Nacht über. Bei sehr schwerem Trockenen Auge kann dickflüssiges Gel auch tagsüber gegeben werden, was aber vielen Patienten unangenehm ist, da die Sicht (meist nur vorübergehend) etwas ´verschleiert´ wird.

  • Verschiedene wässrige Augentropfen enthalten Zusatzstoffe mit besonderen Wirkungen, von denen man sich einen Zusatznutzen versprechen kann gegenüber einer reinen verbesserten Anfeuchtung und reduzierten Reibung auf der Augenoberfläche.

  • Ein Ersatz von Lipiden/ Öl erscheint sinnvoll, da ein Ölmangel der Tränen durch Störung der Meibomdrüsen in den Augenlidern die häufigste Ursache für ein Trockenes Auge ist. Ein Ölersatz ist natürlich immer nur die zweitbeste Lösung gegenüber einer regelmässigen Physikalischen Lidrand-Therapie, mit dem Ziel die Funktion der Meibomdrüsen wieder zu verbessern. Ölersatz/ Ölergänzung kann in verschiedener Form erfolgen:

    • in wässrigen Tränenersatzmitteln mit Ölzusatz

    • als reines Öl/ Lipid, meist als Liposomenspray, das die Funktion hat, bei noch ausreichenden eigenen Tränen, die vorzeitige Verdunstung zu vermeiden

    • als Öl-Ersatzstoffe, die sich mit der Ölschicht auf dem Tränenfilm verbinden, bzw. diese ergänzen sollen


Welches Tränenersatzmittel ist das BESTE für mein Auge ?

Dies ist eine verständliche, naheliegende und oft gestellte Frage … aber sie ist nicht so einfach zu beantworten, da nicht jedes Trockene Auge gleich ist - dies kann man erkennen, wenn man die verschiedenen Krankheits-Faktoren beim Trockenen Auge betrachtet. Eine gründliche augenärztliche Untersuchung kann die individuellen Krankheitsfaktoren und die aussichtsreichsten Therapie-Optionen ermitteln.

ALLGEMEIN:

Eine gute Wahl ist meist ein dünnflüssiger Tränentropfen, tagsüber mindestens alle 2 Stunden, und ein dickflüssiges Gel zur Nacht. Die unterschiedlichen Präparate werden von verschiedenen Menschen unterschiedlich gut vertragen und daher kann es sinnvoll sein Einiges zu probieren bis etwas gut Verträgliches gefunden ist. - Da aber wässrige Tränenersatzmittel ausser Wasser meist keine besonderen Wirkstoffe enthalten, können sie nur dann für Besserung sorgen, wenn man sie ausreichend häufig gibt und auch über Nacht durch ein Gel für ausreichende Befeuchtung sorgt !

Bei starkem Ölmangel

Bei starkem Lipidmangel und/ oder bei geringem Erfolg einer regelmässigen Physikalischen Lidrand-Therapie (mit Wärmung, Lidmassage und Lidrandhygiene) der Meibomdrüsen Verstopfung ist ein Lipidhaltiges wässriges Tränenersatzmittel, zum kombinierten Ersatz von fehlendem Wasser und Öl, oder auch ein Liposomenspray, zum reinen Öl-Ersatz, oft eine gute Wahl. Das Spray lässt sich ausserdem einfach anwenden, da es auf das geschlossene Auge gesprüht wird.

Besondere Zusatzstoffe

Bei Bedarf kann es sinnvoll sein, ein Tränenersatzmittel mit besonderen Zusatzstoffen zu verwenden, um verbesserte Wirkungen zu erzielen. Näheres dazu finden Sie auf den entsprechenden Seiten.

Übersicht TRÄNEN-ERSATZMITTEL